Die Rolle von Tieren in der Therapie


Die Rolle von Tieren in der Therapie
(Schwerpunkt Geriatrie)



Projektarbeit im Fach Pädagogik
an der BBA für Kindergartenpädagogik
1100 Wien, Ettenreichgasse 45c



Vorgelegt von: Margit Tweraser

Berufsreifeprüfung im Schuljahr 1999

Inhaltsverzeichnis1 Einleitung 1
2 Tiere als Therapieunterstützung 2
2.1 Geschichtliche Entwicklung 2
2.2 Klassifizierung der Mensch-Tier-Beziehung 3
2.2.1 Das Tier als Partner 4
2.2.2 Heimtiere als Erziehungshelfer 4
2.2.3 Tiere und der Wunsch nach Zärtlichkeit und Zuneigung 5
2.2.4 Tiere als Ersatz für Kinder 5
2.2.5 Tiere als Beziehungsstifter 5
2.2.6 Tiere zur Lebensunterstützung für Behinderte 6
2.3 Therapieformen mit Tierunterstützung 7
2.3.1 Partner-Hunde 7
2.3.2 Therapeutisches Reiten 9
2.3.3 Delphintherapie 11
2.4 Tiere in der Geriatrie 12
2.4.1 Alt werden in unserer Gesellschaft 12
2.4.2 Einsatzmöglichkeiten in der Geriatrie 14
2.4.3 Auswahlkriterien für Tiere in der Geriatrie 17
2.4.4 Organisation der Tierhaltung 17
2.4.5 Grenzen des Einsatzes von Tieren in der Geriatrie 17
3 Ausgewählte nationale und internationale Institutionen 20
3.1 Internationale Institutionen 20
3.2 Nationale Institutionen 21
4 Pädagogisch-praktische Umsetzung (Schwerpunkt Geriatrie) 23
4.1 Ergotherapie 24
4.2 Gruppendynamik 24
4.3 Kommunikation 25
4.4 Physiotherapie 25
4.5 Psychotherapie 25
5 Schlußbemerkungen 27
6 Literaturverzeichnis 31
Einleitung
„Der Wunsch, ein Tier zu halten, kommt im allgemeinen aus der Sehnsucht nach der Bindung zur Natur. Diese Bindung ist eine Analogie zu den menschlichen Funktionen, die mit den Gefühlen der Liebe und der Freundschaft in der reinsten und edelsten Weise Hand in Hand gehen.“

LORENZ war nicht nur der Begründer der Vergleichenden Verhaltensforschung, sondern setzte sich auch für die Entwicklung und Etablierung einer noch jüngeren Wissenschaftsdisziplin, der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, ein. Er erkannte die Bedeutung einer interdisziplinären Sichtweise und die „Heilkraft“ von Tieren für Körper und Seele ihrer Besitzer schon frühzeitig. Er konnte eine Reihe von Forschern anregen, sich mit Fragen des Zusammenlebens von Mensch und Tier zu befassen. Somit war ein wichtiger Grundstein der systematischen Betrachtung der Mensch-Tier-Beziehung gelegt. Diese Arbeit versucht, den aktuellen Stand dieser noch jungen wissenschaftlichen Disziplin zusammenzufassen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung der Rolle von Tieren in Therapie insbesondere der Beschreibung des Einsatzes von Tieren in der Altenpflege (Geriatrie).

Im ersten Teil wird auf die geschichtliche Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung eingegangen. Auch die erstmalige Anwendung von Tieren in der Therapie und die Rolle des Tieres in unserer heutigen modernen Gesellschaft werden durchleuchtet. Darauf folgt eine Gesamtschau über die einzelnen Therapieformen und die dafür eingesetzten Tierarten. Weiters wird speziell der Einsatz von Tieren in der Geriatrie beschrieben und danach ein Überblick über nationale und internationale Einrichtungen gegeben.

Die Frage, nach der pädagogisch-praktischen Umsetzung wird im nächsten Kapitel beantwortet. Hier werden die verschiedenen Therapieformen, die durch den Einsatz von Tieren noch effizienter gestaltet werden können, dargestellt.

Im letzten Abschnitt der Projektarbeit, werden persönliche Erfahrungen in der tiergestützten Therapie im Geriatriezentrum am Wienerwald und im Pflegeheim Liesing geschildert und kritisch reflektiert.
Tiere als Therapieunterstützung
„Es gibt mannigfaltige Kräfte, die Affekte hervorrufen, welche wiederum komplexe, neuroendokrine Ereignisse auslösen, die letzten Endes unser physisches und gefühlmäßiges Wohlbefinden beeinträchtigen. Psychotherapie, psychotrope Medikation und Elektroschocks sind herkömmliche Mittel der Psychiatrie für den Umgang mit schwierigen und hartnäckigen emotionalen Störungen. Alle anderen angeführten Faktoren, nämlich Lachen und Spiel, das Gefühl der Bedeutung, die körperliche Berührung, die Erinnerung an Liebe, der soziale Halt und Bewegung können eine Funktion der Beziehung mit dem Menschen, mit Mensch und Tier oder bloß mit Tieren sein. Vielleicht ist die Kombination von beidem die ideale Kombination.“ Geschichtliche EntwicklungEin wesentlicher Bestandteil der Entwicklung des Menschen vom Jäger zum Sammler war die Domestizierung „wilder“ Tiere. Der urzeitliche Mensch ging dazu über, Tiere als permanente Begleiter und Quelle verschiedener Vorteile zu betrachten, statt sie ausschließlich als Jagdbeute zu sehen. Damit wurde die Mensch-Tier-Beziehung geprägt und entscheidend verändert.

Natürlich kann in diesem historischen Zusammenhang noch nicht von einer geplanten Mensch-Tier-Beziehung oder gar von einem therapeutischen Einsatz gesprochen werden. Die Basis dafür schaffte erst viele Jahrhunderte später der Kinderpsychotherapeut LEVINSON mit seinem Buch „Pet-oriented Child Psycho-therapy“, das 1969 in Amerika veröffentlicht wurde. Er berichtete über seine Er-fahrung mit Tieren als Co-Therapeuten und erweckte damit großes Interesse bei Wissenschaftlern. LEVINSON, der als Pionier im Einsatz von Heimtieren bei der therapeutischen Arbeit gilt, erkannte, wie „Heimtiere als Katalysatoren für menschliche Interaktion wirken können und erachtete Heimtiere vor allem als nützlich für sprachgestörte und autistische Kinder“ . Seitdem begannen viele Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen sich mit dieser Thematik zu befassen. So auch das Psychologen-Ehepaar CORSON, die mit ihren Berichten über die heilsame Wirkung von Tieren auf kranke und einsame Menschen die medizinische Welt in Erstaunen versetzten. „Sie arbeiteten bevorzugt mit Hunden auf psychiatrischen Stationen und in Pflegeheimen. In ihren Arbeiten betonen sie, daß Hunde non-verbale Kommunikationssignale bieten und als soziale Katalysatoren dienen. (CORSON u. CORSON, 1981) Zuerst beginnt sich eine Interaktion zwischen Tier und Patient zu entwickeln und weitet sich dann auf den Therapeuten und im weiteren auf andere Patienten, auf das Personal und auf Besucher aus. Sie glaubten, daß Tiere das Gefühl „gebraucht zu werden“ vermitteln und besonders Hunde die Fähigkeit haben, Zuneigung zu zeigen, ohne dabei Kritik zu üben.“

Eine der wohl erfolgreichsten Formen der tiergestützten Therapie ist der Einsatz von Blindenhunden. Deutsche Wissenschaftler und Therapeuten galten als Vorreiter, Hunde speziell auf die erwünschten Erfordernissen blinder Menschen abzurichten. GRAHAM schrieb in seinem Buch Creature Comfort:“The Germans were the first to train dogs in an organised way to lead blind people in the 1920s.“ Die Hippotherapie -die Therapieunterstützung mit Pferden - wurde sogar schon im Jahr 1875 von einem Pariser Arzt Patienten mit neurologischen Problemen verschrieben.

Obwohl in Amerika, Australien und Großbritannien Tiere als Unterstützung der therapeutischen Arbeit mit psychiatrischen Patienten, Strafgefangenen, chronisch Kranken, älteren Menschen, Kindern, Jugendlichen, usw. schon seit längerer Zeit herangezogen werden, besteht in Österreich und vielen anderen Ländern noch immer ein großer Aufholbedarf.Klassifizierung der Mensch-Tier-Beziehung„Ich behaupte, daß das Zusammenleben von Mensch und Tier einen bedeutenden Einfluß auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit ausübt.“

Die folgende Klassifizierung der unterschiedlichen Beziehungstypen zwischen Menschen und Tieren soll einen kurzen Überblick über dieses komplexe Thema geben. Die Gruppen und deren Beschreibung beziehen sich zum Teil auf FRANCZ, S 32 ff.Das Tier als PartnerDas Tier als Partner soll, abhängig vom Alter des Tierhalters, unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. So ist zum Beispiel die Erwartungshaltung eines älteren Menschen gegenüber dem Tier teilweise anders ausgerichtet, als die eines Kindes oder Erwachsenen. Das Zusammenleben eines älteren Menschen mit einem Tier kann unter anderem über Einsamkeit und Isolation hinweghelfen. Die mit dem Tier verbundenen Verantwortungen und Pflichten können sich auf den alten Menschen stabilisierend auswirken und ihm das Gefühl der Wichtigkeit vermitteln. Kindern stattdessen, fällt die Pflege und Versorgung eines Tieres nicht immer leicht, vor allem die kontinuierliche Verpflichtung empfinden sie manchmal als Belastung. Doch durch diese Erfahrung lernen Kinder schon frühzeitig Verantwortung zu übernehmen und dies fördert somit deren Entwicklung. Erwachsene hingegen suchen im Tier vorwiegend einen Gefährten, der die Lebensqualität und das Wohlbefinden deutlich erhöhen kann. Im Allgemeinen werden Tiere als Partner gehalten, um einen Gefährten zu haben, wobei die beliebtesten Tiere in unserer Gesellschaft Hunde und Katzen sind.Heimtiere als ErziehungshelferBereits in der Urzeit, so berichten Ethnologen, wurde gewissermaßen der erzieherischer Wert einer Kind-Tier-Beziehung erkannt. Die heimkehrenden Jäger schenkten gelegentlich junge lebendige Tiere ihren Kindern, die als Lernobjekt für den späteren Umgang mit jagdbarem Wild dienen sollte. „Die Bedeutung eines Heimtieres für die Entwicklung der Kinder wird jedoch von vielen Eltern, vor allem Nicht-Heimtier-Besitzern, heute noch weitgehend unterschätzt, dabei sind Tiere in den meisten Fällen weit kompromißlosere Lehrmeister, denn sie agieren wesentlich konsequenter als menschliche Erzieher. Der Umgang mit einem Tier ist an und für sich bereits lehrreich, dennoch ist zu beachten, daß ein Kind aber für viele Dinge im Zusammenhang mit der Tierhaltung einen menschlichen Ansprechpartner braucht, damit es diese erlernen, verstehen und verarbeiten kann.“ Tiere und der Wunsch nach Zärtlichkeit und ZuneigungEin wichtiger Aspekt bei der Anschaffung eines Haustieres ist der Wunsch nach Zärtlichkeit und Zuneigung. Ein Tier kann die fehlende menschliche Nähe zum Teil ersetzen, wenn das Bedürfnis nach Streicheleinheiten, Zärtlichkeit und Berührung anders nicht erfüllt wird. Tiere sind vor allem in ihren Zärtlichkeiten niemals unehrlich. Sie zeigen ihre Zuneigung, da sie keine gesellschaftlichen Normen kennen und Vorurteile ohne Bedeutung sind. Sie halten Treue zu ihren Besitzern, auch wenn diese den Maßstäben der Gesellschaft nicht entsprechen. Tiere als Ersatz für KinderIn vielen Familien wird das Tier als ein „vollwertiges“ Mitglied anerkannt. Dem Geburtstag des geliebten Tieres wird fast genauso viel Aufmerksamkeit beigemessen, wie dem eines Menschen. Auch auf Familienfotos ist das Tier meistens präsent und es nimmt nahezu selbstverständlich an verschiedenen Festen teil.

Manchmal übernimmt das Tier sogar die Rolle eines weiteren Kindes. Tiere bleiben immer von Menschen abhängig und werden im Gegensatz zu den eigenen Kindern nie selbständig. Tiere werden auch als Ersatz für Kinder von kinderlosen Menschen gehalten. „Kann oder will der Kinderwunsch aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert werden, dann stellen Tiere für manche Menschen stellvertretend für ein Kind ein Objekt der Zuneigung dar, über das die Sehnsucht nach verbindlichen sozialen Beziehungen innerhalb einer Familie oder Paarbeziehung erfüllt werden kann.“Tiere als BeziehungsstifterTiere beeinflussen das soziale Verhalten von Menschen und deren soziale Kontakte positiv. So fand zum Beispiel die New Yorker Biologin FRIEDMAN heraus, das Tiere helfen, zwischenmenschliche Kontakthemmungen abzubauen. Tiere, besonders Hunde, gelten als Beziehungsstifter, weil sie oft der Auslöser eines Gespräches sind. Menschen die einander nicht kennen und sich begegnen, werden sich vermutlich nicht ansprechen. Wenn jedoch eine Person von einem Hund begleitet wird, dann wirkt der Hund oft (speziell auf Tierfreunde) als „Kontaktstifter“, indem er durch seine Präsenz hilft, Gesprächsbarrieren abzubauen. In der Folge entwickelt sich oft ein Gespräch zwischen zwei wildfremden Menschen, das ohne den Hund wohl nie zustandegekommen wäre. „Mit Hunden und anderen Tieren in seiner Nähe wirkt ein Mensch offenbar eher zugänglich.“ , schreibt GREIFFENHAGEN über dieses Phänomen.

Selbst isolierte Personen, inbesondere Kinder, finden in Begleitung eines Tieres schneller Anschluß. Sie fühlen sich durch die Gesellschaft des Tieres sicherer, das Tier verhilft ihnen zu mehr Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein. Kinder verstehen das Tier aber in solchen Situationen meist nicht als Schutz nach außen (z.B. einen Hund als Wachhund), sondern schöpfen aus der Beziehung zum Tier (z.B. durch die Fähigkeit, das Tier zu versorgen) die Kraft auch in der menschlichen Gesellschaft aktiver zu sein. Bei einem Tier kann das verängstigte Kind zudem Schutz und Geborgenheit - geistig und körperlich - finden.

Weitere Gelegenheiten zur Schließung neuer Freundschaften eröffnen sich durch die Mitgliedschaft in einem Verein oder durch die Teilnahme an einem Kurs (beispielweise in einer Hundeschule). Hier können Erfahrungen ausgetauscht und Geschichten vom eigenen Tier erzählt werden, Gespräche über ähnliche Freuden und Probleme wirken dabei unter Umständen sehr verbindend.Tiere zur Lebensunterstützung für BehinderteDer Begriff „behindert“ wird vom Deutschen Bildungsrat wie folgt definiert:

„Als behindert im erziehungswissenschaftlichen Sinne gelten alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in ihrem Lernen, im sozialen Verhalten, in der sprachlichen Kommunikation oder in den psycho-motorischen Fähigkeiten so weit beeinträchtigt sind, daß ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft wesentlich erschwert ist.“

Menschen mit einer Behinderung haben es im Vergleich zu Nicht-Behinderten in vielerlei Hinsicht schwerer im Leben. Trotz gezielter Förderung behinderter Menschen und ihre Integration in das tägliche Leben, sind sie letztendlich auf sich selbst angewiesen, wenn es darum geht, mit ihren Einschränkungen zurechtzukommen. Tiere, speziell Hunde, können diese Einschränkungen behindeter Menschen wesentlich verringern. Sie dienen als psychische Stütze genauso wie für den Einsatz von praktischen Hilfsdiensten. Neben der Selbsthilfe gibt es eine Reihe von Organisationen die zahlreiche Therapieformen umsetzen. Dazu zählen neben Blindenhunden auch ausgefallenere Programme wie die Hippotherapie (Reiten als Form der Therapie) und in den dafür geeigeneten Ländern auch die Delphintherapie. Diese Therapieformen werden nachstehend näher beschrieben.Therapieformen mit TierunterstützungPartner-Hunde In Deutschland der 20iger Jahre wurden Hunde erstmals zu Unterstützung Blinder im Alltag trainiert und eingesetzt. Die Idee war sehr erfolgreich und verbreitete sich schnell in viele Länder - so wurde beispielsweise 1928 der erste Blindenhund in den USA (Hund Buddy von HARRISON für den Blinden FRANK) trainiert. Aber erst einige Jahrzente später wurden Hunde auch für Menschen mit anderern Behinderten z.B. für Gehörlose oder Rollstuhlfahrer eingesetzt. Dieses Konzept der Servicehunde - in Österreich 1990 von der Salzburger Biologin FÄRBINGER eingeführt - hat in Österreich bis heute dazu geführt, daß über 50 Behinderte Menschen ihr Alltagsleben mit Hilfe eines Servicehundes „normaler“ gestalten können.

Konkret unterscheidet man drei Formen des vor allem auf soziale Aspekte und das Alltagsleben ausgerichteten Einsatzes von Hunden.BlindenhundeWie bereits oben erwähnt war der Einsatz von Hunden zur Unterstützung Blinder der erste Schritt in der Entwicklung des Partner-Hunde-Gedankens. Die Ausbildung eines Blindenhundes ist sehr aufwendig und teuer, führt aber dazu, daß der sehbehinderte Mensch in seinem Hund einen verläßlichen und treuen Partner finden kann, der ihn innerhalb der Wohnung und außerhalb (z.B. auch im Straßenverkehr) dabei unterstützt, ein Leben ohne Augenlicht zu führen.

Die teure Ausbildung von Blindenhunden wird oft durch Vereine mit Spendenhilfe oder durch andere öffentliche Mittel finanziert. In Österreich spielt dabei die bekannte Blindenlotterie eine bedeutende Rolle. In den 60iger Jahren sammelten in den USA Millionen von Menschen Deckel von Milchglasflaschen, um Fördermittel für die Ausbildung von Blindenhunden zu beschaffen. Die Hunderassen mit der besten natürlichen Eignung zur Unterstützung Blinder sind Golden Retriever, Labrator Retriever, Deutsche Schäfer und Border Collies. Hunde für GehörloseGehörlose Menschen orientieren sich häufig durch Beobachtung. Durch das Einschätzen der Reaktion anderer Menschen auf akustische Reize, die ihnen selbst verborgen bleiben, können Gerhörlose lernen mit Geräuschen umzugehen. Aber nicht nur Beobachtung, auch Signale Anderer sind oft notwendig; damit Gerhörlose richtig reagieren können. Hunde können wesentlich dazu beitragen, derartige Signale auszulösen und damit den Alltag für hörbehinderte Menschen zu normalisieren. Beispielsweise können Hunde das Läuten der Türglocke anzeigen, den Ton des Weckers in einem „freundlichen Stupser“ mit der Schnauze übersetzten oder Geräusche im Straßenverkehre „sichtbar“ machen. Hunde für Gehörlose werden in den USA seit 1982 durch den Verein „Hearing Dogs For Deaf People“ ausgebildet. In dieser Ausbildung werden Hunde als Begleiter für die gehörbehinderten Menschen auf das Anzeigen von Geräuschen vorbereitet. Die oft mit den Gehörlosen selbst durchgeführte Schulung stärkt zudem auch das Selbstbewußsein und die Selbständigkeit der zukünftigen Hundebesitzer. Die Beziehung zwischen Hunden und Gehörlosen macht aber nicht nur das Alltagsleben einfacher, sie kann auch Leben retten wie der Fall des Hundes Max beweißt. Max alamierte seine taube Besitzerin vor einem Feueralarm im Nachbarhaus. Diese alarmierte die Feuerwehr und die beiden Hunde des Nachbarn konnten gerettet werden.Hunde für Rollstuhlfahrer und andere BehinderteHunde für Rollstuhlfahrer und andere Behinderte werden dazu ausgebildet Aufgaben zu erledigen, zu denen ihre Besitzer aufgrund ihrer Behinderung nicht oder nur mit großer Mühe in der Lage sind. Sie öffnen und schließen Türen, betätigen Lichtschalter und Aufzugknöpfe, schleppen Einkaufstaschen, bringen bzw. heben Gegenstände auf und können sogar dabei helfen, die Jacke oder andere Kleidungsstücke an- oder auszuziehen.

Neben all diesen praktischen Hilfestellungen die ein Partner-Hund leistet, trägt er auch zum seelischem Wohlbefinden bei. Im Gegensatz zu einer menschlichen Betreuungsperson ist ein Partner-Hund 24 Stunden lang verfügbar und fördert somit die Lebensqualität. Die daraus resultierende Unabhängigkeit steigert das Selbstwertgefühl und kann sich auch positiv auf die Psyche des Menschen auswirken.

MOTTINGER-MASIN berichtet in einer Reportage über einen vierjährigen, mehrfach behinderten Buben (jüngster Österreicher mit einem Partner-Hund), der in seinem Hund einen liebevollen und treuen Gefährten gefunden hat. Seine Mutter freut sich über die Fortschritte ihres Sohnes, die er durch den Hund erzielen konnte. Sie berichtet, daß er seine Bewegungen durch das Ballspielen mit dem Hund besser koordinieren kann und er auch sonst viel geschickter geworden ist. Nicht nur seine körperliche Entwicklung hat sich verbessert, der früher sehr unnahbare Bub ist durch den laufenden Kontakt mit dem Partner-Hund viel anschmiegsamer geworden.Therapeutisches ReitenDas therapeutische Reiten ist eine der bereits ältesten Therapieformen der Geschichte. Angeblich erkannten schon die Griechen im Altertum die heilende Wirkung der Pferde. 1985 wurde das heilpädagogische Reiten und Voltigieren (Gymnastikübungen am Pferd) erstmals in Österreich eingesetzt.

Es werden drei verschiedene Unterformen des therapeutischen Reitens unterschieden, die jeweils spezielle Funktionen erfüllen:HippotherapieDer Rücken eines Pferdes bewegt sich in den verschiedenen Schrittarten in drei Dimensionen. Diese Schwingungen können genützt werden, um den Rumpf zu trainieren, Gleichgewichtssinn, Halte- und Stützfunktionen zu schulen sowie eine Verbesserung in der Koordination der Bewegungsabläufe zu erzielen.

Manche Therapeuten vergleichen die Bewegung des Pferdes in bestimmten Gangarten auch mit rhythmischer Musik und nützen die Schwingungen des Pferdes in den einzelnen Gangarten gezielt für therapeutische Zwecke („[D]er Viertakt des langsam Schritt gehenden Pferdes wirkt lösend und entspannend; der Viertakt des schnellen Schrittes wirkt konzentrierend; der Zweiertakt im Trab ist, wie schnelle Marschmusik, animierend; und der Dreierschlag des Galopps mit der Schwebephase beschwingt.“).

Neben den bewegungsphysiologischen Nutzen des Pferdes, wirkt sich das Pferd auch durch seine Körperwärme positiv auf die Psyche des Reiters aus. Das Reiten wird damit insgesamt nicht als Therapie empfunden und löst angenehme Gefühle und Freude aus.

Die Hippotherapie ist besonders für Menschen mit spastischen und schlaffen Lähmungen geeignet, aber auch bei Personen mit Multipler Sklerose, frühkindlichen Hirnschäden und autistischen Behinderungen können meist Verbesserung erzielt werden. Ebenso Menschen mit Epilepsie und Sprachstörungen kann die Hippotherapie Erleichterung bringen. Heilpädagogisches Voltigieren/ReitenBeim Heilpädagogischen Reiten steht weniger das Reiten, sondern die umfassende Beziehung zwischen Tier und Mensch im Mittelpunkt. Heilpädagogische Voltigieren ist durch die Gymnastikübungen auf dem sich bewegenden Pferd körperlich und motorisch anspruchsvoller, genügt aber denselben Prinzipien der ganzheitlichen Therapie mit Hilfe einer bewußt gestalteten Mensch-Tier-Beziehung. Damit wird der Mensch durch diese Therapieunterstützung nicht nur körperlich gefördert, sondern auch seine geistige und soziale Entwicklung angesprochen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, daß heilpädagogische Reiten und Volgitieren fast ausschließlich in Gruppen durchgeführt wird, in denen vor allem verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, pychiatrische Patienten sowie geistig-oder lernbehinderte Menschen gemeinsam reiten oder die Pferde pflegen und führen.Behinderten-ReitenUnter Behinderten-Reiten versteht man das sportliche Reiten behinderter Menschen. Dabei steht die körperliche Betätigung und weniger ein medizinisch-therapeutischer Zweck im Vordergrund. Behinderten-Reiten ist daher keine Therapieform im engeren Sinn, sondern Sport für Menschen mit Behinderungen. Es kommen deshalb statt Therapeuten oder Ärtzen Reitlehrer (evt. mit Zusatzausbildung) zum Einsatz. Reiter können in dieser Sportart beachtliche Erfolge sogar in Turnieren erlangen. Zusätzlich entstehen durch die Beschäftigung mit Pferden oft soziale Kontakte zu anderen Menschen, die gerade für Behinderte besonders wertvoll sein können.DelphintherapieEine in unserem Breitengraden außergewöhnlich wirkende, aber in beispielsweise Florida häufig angewandte Form der tiergestützten Therapie ist die Delphintherapie.

NATHANSON, so schreibt GRAHAM in seinem Buch Creature Comfort, begann 1978 mit einer Versuchsstudie „dolphin assisted therapy“ in Fort Lauderdale (Florida). Er entwickelte Therapieformen für das „Dolphin Research Center“. Jahre später - in der Zeit zwischen 1995-1996 - entstand in Key Largo das „dolphin human therapy“ (DHT). Die Patienten - hier vor allem Kinder mit Gehirnlämungen, Autismus oder Mongolismus - konnten erstaunliche Fortschritte machen. Ein Beispiel dafür liefert ein damals 8jähriger Bub aus Weston-Super-Mare (Süd-England), der bei seiner Geburt einen Sauerstoffmangel erlitt und daher - obwohl er physisch imstande gewesen wäre - nie ein Wort sprach. Nach einer nur 3tägigen DHT („dolphin human therapy“) sprach er zum ersten Mal. Kaum aus dem Becken, deutete er in Richtung Delphin und sagte „in“ (englischer Ausdruck für „hinein“).

Das Geheimnis hinter NATHANSON`S Konzept ist der Wunsch der Kinder nach Interaktion mit den Delphinen, wodurch deren Aufmerksamkeitspanne - ein großes Problem vor allem bei autistischen Kindern - erheblich steigen kann. Die Intensität der Interaktion hängt dabei von Grad der Behinderung der Kinder ab. Sie reicht vom Berühren der Delphine am Beckenrand bis zum Schwimmen mit den Delphinen. Tiere in der Geriatrie„Ich bin alt aber nicht allein,

denn Du bist bei mir,

mein liebes treues Tier!

Du bist die Sonne in meinem Leben

und kannst noch viel mehr mir geben.

Die Zeit vor Dir war lang´,

und oft war mir vor lauter Kummer bang!

Jetzt bist Du hier - bei mir,

mein liebes, treues Tier!“
Alt werden in unserer GesellschaftAlt werden in unserer Gesellschaft bedeutet für viele Menschen Einsamkeit und scheinbare Nutzlosigkeit. Nicht nur, daß die äußerliche Attraktivität verloren geht, auch die körperliche Leistungsfähigkeit läßt nach. Diesen ersten Schritt in die Abhängigkeit können viele alte Menschen nur schwer verkraften. Viele einst äußerst aktive Menschen fangen an sich nutzlos, unfähig und überflüssig zu fühlen. Die daraus resultierende Unsicherheit kann sogar zu einer ernsten Identitätskrise führen. In manchen Fällen sind Depressionen und die damit verbundenen Selbstaufgabe nicht auszuschließen. Besonders stark betroffen sind Menschen, die zudem durch den Verlust des Partners oder Berufes ihr Leben nicht mehr in den Griff bekommen. GREIFFENHAGEN betont in ihrem Buch Tiere als Therapie: „Viele Alte sind verbittert. Ob sie sich selbst oder anderen die Schuld für ihr unerfülltes Leben geben, macht dabei wenig Unterschied. Sie meiden geselligen Umgang, kapseln sich immer mehr ab, bis sie völlig isoliert sind und sich aus dem Teufelskreis von Verbitterung und Isoliertheit nicht mehr befreien können.“

Einige Wissenschaftler konnten aufgrund verschiedener Experimente beweisen, daß Tiere einen beruhigenden und heilenden Einfluß auf Patienten ausüben. Besonders alte Menschen profitieren scheinbar von einer bewußt gestalteten Mensch-Tier-Beziehung. Schon Mitte der achtziger Jahre, so schreibt GÄNG in ihrem Buch, konnte der Mannheimer Psychotherapeut SENFLEBEN die positive Wirkung von Tieren auf Patienten erfahren. Seine Patientin, eine damals 69jährige Witwe, lebte einsam und zurückgezogen in ihrem Haus. Sie ließ sich immer mehr gehen, neigte zu extremer äußerer Verwahrlosung und erschreckender Aggressivität gegenüber Mitmenschen. Selbst als sie sich widerwillig von einer entfernten Verwandten zur ärtzlichen Behandlung überreden ließ, konnte dieser keine deutlichen Signale der Besserung erzielen. Der Einsatz von Medikamenten und Psychopharmaka blieb ohne Erfolg. Erst als der Arzt seiner Patientin zu einer Katze riet, konnte sich ihr Zustand deutlich verbessern. Die alte Frau fand langsam wieder Interesse am Leben, pflegte sich und zeigte sich weniger depressiv. Tierbesitz und Lebensglück stehen in diesem Beispiel offensichtlich in einem unmittelbaren Zusammenhang.

Tiere können also vermutlich das Gefühl vermitteln, nicht mehr allein zu sein. Alte Menschen haben Verantwortung ihrem Tier gegenüber zu tragen und fühlen sich nützlich und gebraucht. Das Selbstwertgefühl steigt und der Sinn des Lebens ist durch den Besitz eines Tieres meistens stärker zu spüren. Tiere helfen somit nicht nur gegen Einsamkeit und Isolation, sondern auch den Alltag neu zu gestalten, denn Pflege und Ernährung des Tieres erfordern einen organisierten Tagesablauf. Eine Studie von DE SMET aus dem Jahr 1983 weist darauf hin, daß Haustier-Besitzer weniger selbstmordgefährdet sind als Nicht-Haustier-Besitzer. „Ich kann nicht einfach gehen - das Tier braucht mich doch und liebt mich. Es könnte nicht verstehen, weshalb ich es verlassen habe. Wenn mich auch niemand vermißt - mein Tier würde mich vermissen.“ Diese Argumente oder ähnliche bewahren alte Menschen vor der Selbstaufgabe. Auch das Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit (siehe Kapitel 2.3.3.), kann durch einen Vierbeiner erfüllt werden. Viele alte Menschen in unserer Gesellschaft können ihr Verlangen nach Berührung und Streicheln oft nicht mehr befriedigen, geschweige denn empfangen. Doch ein Tier kann hier fehlende menschliche Nähe ersetzten und somit das Bedürfnis alter Menschen nach Liebe und Zärtlichkeit stillen.

Der Einsatz von Tieren in der Therapie bietet sich daher fast logisch an. Zahlreiche Studien und Untersuchungen haben allerdings ergeben, daß der Einsatz von Tieren in der Therapie nur dann erfolgreich durchgeführt werden kann, wenn der zu behandelte Patient auch tierliebend ist. Weiters ist noch hinzuzufügen, daß Tiere nicht den menschlichen Kontakt ersetzen sollen, sondern sie sollen vielmehr eine Brücke darstellen, über die soziale Kontakte wieder aktiviert werden können, wie zum Beispiel durch gemeinsame Pflege von Tieren oder durch Reden über das Verhalten der anvertrauten Tiere.Einsatzmöglichkeiten in der GeriatrieWas können Tiere für alte Menschen die im Altersheim wohnen eigentlich leisten? Welchen gesundheitlichen Nutzen haben Patienten, die mit einem Tier zusammenleben? Was passiert, wenn Allergieprobleme auftreten? Wer ist für die Tierhaltung zuständig?

Fragen über Fragen und viele Skeptiker, die WITTMANN (Biologin) erst von ihrer Idee ein Tierbesuchsprogramm in Altersheimen einzuführen, überzeugen mußte. Durch einen langjährigen Aufenthalt in Australien, hatte sie die Gelegenheit gehabt, die tiergestützte Therapie kennenzulernen und wollte aufgrund mehrheitlich positiver Erfahrungen diese neue Therapieform auch in Österreich einführen. Trotz Anfangsschwierigkeiten konnte sie sich ihren Wunsch im Jahre 1988 erfüllen. Aus Angst vor Infektionen, Allergien oder Bißverletzungen durften sich die Tiere anfangs nur im Freien des heutigen Geriatriezentrum am Wienerwald aufhalten, doch schon nach einiger Zeit waren sie auch in den Räumlichkeiten des Pflegeheims erlaubt. Mittlerweile ist es auch keine Besonderheit mehr, Tiere im Bett von bettlägrigen Patienten zu finden. Das Geriatriezentrum am Wienerwald hat bereits das 10jähriges Jubiläum der Initiative „Tiere als Therapie“ gefeiert und konnte schon viele Erfolge durch den Einsatz von Tieren in der Therapie erzielen.

Heute gibt es drei Kategorien von tiergestützter Therapie in der Geriatrie, die wie folgt beschrieben werden können:TierbesuchsprogrammBei einem Tierbesuchsprogramm handelt es sich um Besucher oder Tiervereine (z.B. Verein „Tiere als Therapie“ gegründet im Jahr 1991 von WITTMANN), die mit ihren Tieren etwa einmal pro Woche zu Besuch ins Heim kommen. Dabei ist die Regelmäßigkeit von großer Bedeutung, da ausfallende Besuchtermine den Patienten keine Freude, sondern Enttäuschung bringen. Als Besuchstiere eignen sich vor allem Hunde, da sie sehr anpassungsfähig und kontaktfreudig sind. Aber auch andere Streicheltiere (z.B. Katzen, Hasen, Meerschweinchen und Goldhamster) sind geeignet, solange sie streßfrei eingesetzt werden können. Das Tierbesuchsprogramm findet entweder im Freien oder im den Tagräumen der einzelnen Stationen statt. Bei bettlägrigen Patienten werden die Tiere auch ans Bett gebracht. Heimeigene Tiere

Bei heimeigenen Tieren handelt es sich um Tiere die speziell für das Heim angeschafft werden und für alle Personen zugänglich sein sollen. Hunde und Katzen erscheinen aufgrund ihrer starken Persönlichkeit besonders geeignet. Aber auch Vögel in einem Voliere können durch ihren farbenfrohen Anblick und fröhlichem Gesang die Kommunikation der Patienten anregen. Selbst Fische wirken sich positiv auf Menschen aus.

Die Anschaffung von Heimtieren bedarf allerdings einer sorgfältigen Planung. Sowohl auf die artgerechte Tierhaltung, als auch auf die Wünsche der Patienten und des Pflegepersonals ist Rücksicht zu nehmen. Auch die Hygiene- und Gesundheitsvorschriften müssen beachtet werden. Für Personen die keine Tiere mögen, oder an Allergien leiden, sollte auch an eine „tierfreie Zone“ gedacht werden. Mitgebrachte TiereDer Schritt ins Altersheim bedeutet für die betroffenen Personen oft, von vielen Dingen Abschied nehmen zu müssen. Abschied von der vertrauten Umgebung, Abschied von den Nachbarn, Abschied von der Unabhängigkeit und nicht zuletzt vielleicht Abschied vom geliebten Tier können den Umzug ins Altersheim massiv erschweren. Trotz wissenschaftlicher Belege die darauf hinweisen, daß sich der Eintritt in den neuen Lebensabschnitt in Begleitung des vertrauten Tieres weniger problematisch gestaltet und schneller Anschluß gefunden wird, gibt es noch immer Einrichtungen, die Tiere nicht erlauben und in die deshalb das eigene Tier nicht mitgenommen werden darf. In solchen Fällen kommt es durch die Übersiedlung in das Altersheim oft zu einer noch größeren physischen Belastung. Erst seit kurzem entschließen sich immer mehr Altenbetreuungseinrichtungen dazu, ihren Bewohnern diese Möglichkeit der Mitnahme ihres Heimtieres zu bieten. Ausschlaggebend ist zunächst die Organisation der Unterbringungsmöglichkeiten für das Tier. Überdies sind die Wünsche und Bedürfnisse anderer Bewohner des Altersheims mitzuberücksichtigen. Die Frage, was mit dem Tier beim Ableben des Besitzers geschehen soll, wird von vielen Heimen als Haupthindernis für die Zulassung von mitgebrachten Tieren angesehen, obwohl dieses Problem in einem Heim oft leichter zu lösen ist als anderswo. Das Tier findet meist rasch einen neuen Besitzer und bleibt vor allem auch in der vertrauten Umgebung. Auswahlkriterien für Tiere in der GeriatrieNicht alle Tiere sind für den therapeutischen Einsatz bzw. als Beziehungsvermittler geeignet. Um den Anforderungen in Altersheimen zu entsprechen, müssen die Tiere ein ruhiges, ausgeglichenes Wesen haben und an den Kontakt mit fremden Menschen gewöhnt sein. Am beliebtesten sind Hunde oder Katzen, da sie viele Beschäftigungsanreize bieten, wobei Hunde besonders anpassungsfähig sind. Hunde benötigen im Gegensatz zu Katzen aber unbedingt eine Bezugsperson, die als Rudelführer akzeptiert wird. Katzen sind auch gern gesehene Heimtiere, vorausgesetzt, man berücksichtigt deren Eigenart bei der Auswahl und Unterbringung. Obwohl Katzen nicht viel benötigen, um sich wohl zu fühlen, sollte jedoch bedacht werden, daß sie viel Beschäftigung brauchen, besonders wenn sie wenig Auslaufmöglichkeiten haben und nicht ins Freie dürfen.

Erst wenn sichergestellt ist, daß neben dem Wesen der Tiere auch deren gesundheitliche Zustand einwandfrei ist, können sie als Co-Therapeuten („Heimtiere fungieren als Co-Therapeut, indem sie viele Therapieformen unterstützen, wenn nicht sogar erst ermöglichen.“ ) eingesetzt werden. Erst durch die richtige Auswahl des Tieres können die einzelnen Therapieformen Erfolge an Patienten erzielen und dem Tier eine artgerechte Haltung sichern.Organisation der TierhaltungFür die Organisation der Tierhaltung soll mindestens eine Person hauptverantwortlich sein. In der Regel wird ein Pfleger oder ein Tiertherapeut diese Verantwortung (z.B. Pflege, Fütterung, Therapieprogramme, Unterbringung des Tieres) übernehmen. Vereinzelt kann diese Aufgabe auch teilweise einem pflichtbewußten Heimbewohner übergeben werden. Grenzen des Einsatzes von Tieren in der GeriatrieSo wertvoll Tiere für die Unterstützung von Therapien im geriatrischen Bereich auch sind, es darf nicht übersehen werden, daß Tiere Therapien eben nur unterstützen und nicht ersetzen können. Die Vorteile des Einsatzes können in den meisten Fällen nur durch die Kombination der Tiere mit geschulten und erfahrenen Therapeuten realisiert werden. Wie bereits erwähnt spielt auch die Einstellung der Heimbewohner eine wesentliche Rolle.

Abgesehen von diesen therapeutischen Grenzen sind auch eine Reihen von weiteren organisatorischen Voraussetzungen zu beachten:Regelmäßige tierärtzliche BetreuungUm gegen Ansteckungsgefahren durch Krankheiten vorzubeugen, sollten speziell Hunde und Katzen regelmäßig zum Tierarzt gebracht werden. Geimpfte Tiere können kein Virus übertragen und bringen somit auch die Heimbewohner nicht in Gefahr.Berücksichtigung von Allergien„Allergieprobleme spielen bei Menschen über 55 Jahren keine so große Rolle mehr; bereits vorhandene Allergien werden ab diesem Alter mehr und mehr abgebaut und es treten kaum mehr neue Erscheinungen auf.“ Trotzdem sollte auf Heimbewohner mit Allergieprobleme Rücksicht genommen und für diese der unmittelbare Kontakt mit dem Tier vermieden werden.Mehraufwand für die tägliche Pflege und Fütterung der TiereDie regelmäßige Pflege und Fütterung der Tiere nimmt nicht nur zusätzliche Zeit in Anspruch, auch sollte der Verantwortliche über das entsprechende Fachwissen verfügen, um die Anforderungen der Tiere erfüllen zu können.HygienevorschriftenEin erhöhter Bedarf an Reinigungsarbeiten (Gänge und Räume) ist bei der Haltung von Tieren in Heimen erforderlich. Zusätzlich ist das Sauberhalten von Tier, Schlafplatz, Käfig und Freßgeschirr für die allgemeine Hygiene wichtig.KostenBei der Anschaffung von Heimtieren muß bedacht werden, daß die Tierhaltung etwas kostet. Neben Tierarztkosten und Hygienestreu für Katzen und Kleintiere sind vor allem die Futterkosten zu berücksichtigen.Was geschieht mit dem Tier nach dem Ableben des Besitzers?Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten und damit eine der größten Hürde für den Einsatz von Tieren in Altersheimen. Mögliche Lösungen umfassen die Übergabe des Tieres an andere Heimbewohner oder die Übernahme im heimeigenen Programmen.
Ausgewählte nationale und internationale Institutionen
In den angelsächsischen Ländern gibt es - aufgrund dort bereits bestehenden langjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet - schon viele gut organisierte Institutionen, die wissenschaftliche und praktische Arbeiten zu Themen des Tiereinsatzes in der Therapie fördern und unterstützen. Dadurch ist in diesen Ländern beispielsweise die Ausbildung zum Tiertherapeuten auch staatlich anerkannt. Dieses neue Berufsfeld, das auf die Arbeit mit Kindern, Kranken oder alten Menschen in Zusammenhang mit Tieren vorbereitet, ist in Österreich als Ausbildung wenig bekannt, eine allgemein gültige Anerkennung daher noch nicht gegeben. Aber auch hier sind bereits einige Vereine und Institutionen damit beschäftigt, die Mensch-Tier-Beziehung in der Therapie zu erforschen und zu fördern.Internationale InstitutionenInternational Association of Human-Animal Interaction Organisations (IAHAIO)

IAHAIO ist der Dachverband der Institutionen für die Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, der im Jahr 1992 gegründet wurde. Mittlerweile umfaßt dieser Verband Organisationen aus 5 Kontinenten (auch IEMT Österreich). IAHAIO koordiniert internationale Forschungsprojekte und unterstützt den Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern und Forschern durch Kongresse und Tagungen. Daneben arbeitet die Vereinigung mit nationalen und übernationalen Behörden z.B. der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zusammen. Auch eine Deklaration für die Gestaltung der Mensch-Tier-Beziehung wurde von IAHAIO erstellt und verabschiedet. Eine wesentliche Forderung darin lautet: „IAHAIO appelliert an alle zuständigen internationalen Körperschaften und nationalen Regierungen [...] Heimtieren den kontrollierten Zugang zu Krankenhäusern, Alters- und Pflegeheimen sowie anderen Institutionen zu ermöglichen, in denen pflegebedürftige Menschen jedes Alters von solchen Kontakten profitieren können, [sowie] die therapeutische Funktion von Tieren, die speziell für die Unterstützung und Rehabilitation von Behinderten ausgebildet sind, offiziell anzuerkennen; Programme zu fördern, die solche Tiere hervorbringen und sicherzustellen, daß der richtige Einsatz dieser Tiere in den Ausbildungsprogrammen für Gesundheits- und Sozialberufe gelehrt wird.“

Die zwölf Unterorganisationen der IAHAIO sind:DELTA SOCIETY (USA)

SCAS (Großbritannien)

DELTA AUSTRALIA (Australien)

AFIRAC (Frankreich)

HABAC (Kanada)

DYRENE OG (Norwegen)

ETHOLOGIA (Belgien)

FORSCHUNGSKREIS HEIMTIERE IN DER GESELLSCHAFT (Deutschland)

INSTITUT FÜR INTERDISZIPLINÄRE ERFORSCHUNG DER MENSCH-TIER-BEZIEHUNG - IEMT (Schweiz und Österreich)

MANIMALIS (Schweden)

HUMAN ANIMAL CONTACT STUDY GROUP IN SOUTHAFRICA (Südafrika)Nationale InstitutionenInstitut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung (IEMT)

Im Jahr 1977 wurde das IEMT als private wissenschaftliche Institution von LORENZ gegründet. Mittlerweile gehört IEMT zur IAHAIO (siehe oben).

IEMT hat sich zum Ziel gesetzt, die Forschung der Heimtierhaltung weiterzutreiben und deren Ergebnisse zu veröffentlichen. Dabei gehören die artgerechte Heimtierhaltung sowie die psychologischen und emotionalen Auswirkungen des Zusammenlebens zwischen Mensch und Tier zu den Schwerpunkten. Durch die Kooperation mit anderen Institutionen im In- und Ausland können vorhandenes Wissen und die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Mensch-Tier-Beziehung optimal ausgetauscht und genützt werden.

Anschrift: IEMT, Weyringergasse 28A, 1040 Wien

Verein „Tiere als Therapie“ (TAT)

Seit 1991 gibt es den Verein „Tiere als Therapie“, der von der Biologin WITTMANN gegründet wurde. Der Verein organisiert unter anderem Tierbesuchsprogramme in Altenheimen, psychiatrischen Krankenhäusern und Sonderschulen. Da es in Österreich noch keine Ausbildung zum Tiertherapeuten gibt, ist man auf freiwillige Helfer angewiesen, die sich dazu bereit erklären mit ihrem Tier (Hund, Katze oder Nagetier) pflegebedürftigen Menschen das Leben zu bereichern. „Die Tiertherapie soll bei der Beseitigung oder Verminderung von Störungen des physischen, psychischen oder sozialen Wohlbefindens unter Einbeziehung von Tieren dienen.“ Neben den Tierbesuchsprogrammen ist der wissenschaftliche Nachweis und die Dokumentation der Wirkung tiergestützter Therapie dem Verein ein großes Anliegen.

Seit 1997 betreibt der Verein „Tiere als Therapie“ ein eigenes Büro an der Veterinäruniversität in Wien, das unter der Leitung von BUBNA LITTIZ steht.



Anschrift: Tiere als Therapie, Veterinärmedizinische Universität Wien,
Veterinärplatz 1, 1210 Wien

Verein Partner-Hunde Österreich und Assitance Dogs Europe

Das Ausbildungszentrum für Partner-Hunde in Nußdorf (Salzburg) wurde 1990 von der Salzburger Biologin FÄRBINGER gegründet. Dieses Zentrum hat sich zur Aufgabe gemacht, Hunde speziell für Rollstuhlfahrer, gehörlose Menschen sowie geistig und mehrfach Behinderte auszubilden (siehe Kapitel 2.3.1). Seit 1996 arbeitet dieser Verein unter gleichem Namen und Logo auch in der Schweiz und in Italien. Bisher gibt es für die Aktivitäten des Vereins - der nur in Salzburg gesetzlich anerkannt ist - keine Förderung durch die Sozialversicherung bzw. Krankenkasse, die Finanzierung ist daher auf Privatsponsoren angewiesen.

Anschrift: Verein Partner-Hunde Assistance-Dogs Europe, Weitwörth 1, 5151 Nußdorf/Salzburg
Pädagogisch-praktische Umsetzung (Schwerpunkt Geriatrie)
„Tiere können in vielerlei Hinsicht die Funktion eines Katalysators übernehmen. Ob man Vögel in einer Voliere oder in einem Käfig beobachtet oder einen spielenden Hund oder eine spielende Katze - der Effekt ist immer derselbe. Der Mensch kann sich der positiven Auswirkung nicht entziehen und lächelt.“

Nicht nur DE SMET war von der positiven Wirkung von Tieren auf Heimbewohner überzeugt, auch andere Studien können dieses Phänomen belegen.

Neben dem „Lach-Effekt“ der tiergestützten Therapie („Tiere reizen zum Lachen und Spielen“ ) führt die Tierhaltung in einer geriatrischen Klinik zu gesteigerter allgemeinen Lebensfreude. Alleine durch die Präsenz der Tiere wird der Alltag für alte Menschen lebendiger und abwechslungsreicher. GÄNG erwähnt in ihrem Buch, daß „Tiere durch ihre bloße Anwesenheit förderlich auf die seelische Situation eines Menschen wirken.“ Verschiedene Untersuchungen der beiden Wissenschaftler KATCHER und BECK haben ergeben, daß das Streicheln der Tiere den Blutdruck der Patienten senkt. Das Tier, das man liebt, zärtlich streichelt oder dem man das Fell krault, hat auch eine beruhigende, entspannende Wirkung auf den Menschen. Hunde fördern auch die körperliche Betätigung ihrer Besitzer. Das regelmäßige Spazierengehen, stärkt zum einem die Widerstandskraft und kann zum anderem Diätpläne Übergewichtiger unterstützen. Wie schon im Kapitel 2.2.1 erwähnt, helfen Tiere auch über Einsamkeit und Isolation hinweg. Sie fördern die Kommunikation der Menschen untereinander. Heimtiere geben Anlaß für Gespräche unter den Altersheimbewohnern. Mit ihrer Hilfe finden auch Betreuer und Therapeuten leichter Zugang zu den Heimbewohnern. Auch unangenehme und schmerzhafte Therapien werden durch die Anwesenheit eines Tieres meist leichter ertragen. „Heimtiere lassen sich daher gut in ein Therapieprogramm einbauen - sei es im Bereich der Physiotherapie oder in jenem der Ergotherapie.“ Ergotherapie„Ergotherapie ist eine zusammenfassende Bezeichnung für Arbeits- und Beschäftigungstherapie.“ In Rahmen der Tierprogramme in der Geriatrie werden die Heimbewohner dazu aufgefordet diverse Tätigkeiten wie z.B. bei der Erstellung einer Info-Tafel (z.B. Was frißt mein Tier?), oder zum Futtersammeln für die Tiere, mitzuhelfen. Weitere Beschäftigungsmaßnahmen sind Bastelarbeiten für den Bedarf der Tiere. Hier wird nicht nur die Kreativität der Heimbewohner, sondern auch das handwerkliche Geschick gefördert. Es werden Hunde- oder Katzenkörbe geflochten oder Spielzeuge für die Tiere angefertigt (z.B.: Bälle aus Stoff, Kletterspielzeug für Katzen). Fotografieren und Sortieren des Bildmaterials - zur Erstellung von Bildtafeln für Ausstellungen - gehören auch dazu. Ebenso schafft die Mithilfe bei der Pflege der Tiere Zufriedenheit bei den Bewohnern. Sie erkennen, daß sie gebraucht werden und können darüber hinaus noch Leistungen erbringen. Dies zu erkennen ist wichtig für kranke aber auch ältere Menschen. Oftmals werden die alten Menschen durch ein freundliches Schwanzwedeln eines Hundes begrüßt und sind dadurch schon frohgestimmt.GruppendynamikDas gemeinsame Beobachten und Spielen mit den Tieren, wirkt sich positiv auf das Sozialverhalten der Heimbewohner aus. Es kommt zu Freundschaften und zur Bildung von Gruppen, die sich gemeinsam für ein Heimtier interessieren und sich darüber freuen. Mehr Ausgeglichenheit ist die Folge. Heimbewohner mit Kontakt zu Tieren wirken zufriedener und entspannter. Durch ein verbessertes soziales Klima und größere Gesprächsbereitschaft kommt es zu keiner zusätzlichen Beanspruchung des Pflegepersonals, sondern im Gegenteil zu einer gewissen Entlastung. Die Heimbewohner werden auch gegenüber den Betreuern verträglicher und umgänglicher, da der Tag für sie nun mehr an Bedeutung und Abwechslung gewonnen hat.KommunikationHeimtiere können eine Verbindung zwischen Außen- und Innenwelt darstellen. Durch die Tierhaltung in Heimen kann es zu einer Steigerung der Besucherfrequenz und der Kontakt zwischen Patient und Besucher kommen „Untersuchungen zeigen, daß im Altersheim - so wie in anderen Lebenssituationen - Tiere die zwischenmenschlichen Kontakte keineswegs ersetzen, sondern im Gegenteil sogar fördern.“PhysiotherapieIn der Physiotherapie werden Tiere - speziell für die Rehabilitation nach Schlaganfällen oder Herzinfarkten - erfolgreich eingesetzt. Sie eignen sich gleichermaßen für ein Sprechtraining wie für die Schulung der Feimotorik durch Streichelbewegungen, Füttern oder zum Beispiel durch Anlegen eines Geschirrs. In Gemeinschaftsräumen wird mit den Tieren Ball gespielt. Somit wird nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch das Reaktionsvermögen auf spielerische Weise gefördert. Der Bewegungsapparat des Patienten kann durch das Spazierengehen mit dem Hund wesentlich verbessert werden und Gleichgewichtsstörungen durch Übungen mit Hilfe des Tieres behoben werden, indem der Patient stehend und ohne Hilfe durch das Pflegepersonal versucht das Tier zu streicheln. PsychotherapieDurch den Einsatz von Tieren in der Psychotherapie konnten schon erstaunliche Besserungen bei vielen Patienten erzielt werden. Bei dementen Patienten kann ein Tier Erinnerungen an etwaige Tiererlebnisse in der Kindheit wecken und dadurch das Orientierungsgefühl und das Selbstbewußtsein stärken. Auch bei Apathie und Depressionen hat sich der Einsatz von Tieren in der Therapie bewährt. Selbst Schlaf- und Beruhigungsmittel können durch die beruhigende Wirkung, die schlafende Tiere auf Patienten ausüben, reduziert werden.
Schlußbemerkungen
An dieser Stelle möchte ich die Erfahrungen, die ich im Laufe der Recherchen zu dieser Arbeit gemacht habe, beschreiben. Die Ausführungen in diesem Kapitel sind daher nicht wissenschaftlich und wertneutral, sondern subjektiv durch Gespräche und Beobachtungen geprägt. Zudem wirkt sicher auch die eigene Tierliebe verzerrend. In diesem Kapitel sollen auch Fotos teilweise die Worte ersetzen die fehlen, wenn ich versuche die Freude und Rührung zu beschreiben, die ich bei meinen Besuchen erfahren habe.

Im Juni 1999 setzte ich mich erstmals mit FUCHSWANS - Leiterin der 8. Medizinischen Abteilung Pavillion 1 im Geriatriezentrum Wienerwald (GZW) und Obmann-Stellvertreterin des Arbeitskreises „Tiere als Therapie“ - in Verbindung. Mit ihrer Unterstützung konnte ich mir den ersten Einblick in die tiergestützte Therapie verschaffen. Sie berichtete mir über Anlaufschwierigkeiten und Erfolgserlebnisse seit Beginn der Tierbesuchsprogramme. In der 8. Medizinischen Abteilung leben an die zweihundert Patienten im Durchschnittsalter von 82 (weiblich) und 78 (männlich) Jahren, die vorwiegend an Herz-Kreislauf-Beschwerden, Störungen des Bewegungsapparates oder seniler Demenz erkrankt sind. Viele sind nach Schlaganfällen in Behandlung.

Einige Tage später stellte ich den ersten Kontakt zu Heimbewohnern (GZW) mit mitgebrachten Tieren her. Dabei lernte ich den etwa 80jährigen Herrn Z. mit seiner bereits 15jährigen Hündin „Puppi“ kennen. Anfangs war er über meinem Besuch nicht gerade erfreut, doch als er meine liebevollen Worte seiner Hündin gegenüber bemerkte, wurde ich von ihm aktzeptiert und es entwickelte sich ein Gespräch. Er erzählte mir, daß er bei seiner Einlieferung ins Altersheim seine Hündin ins Tierheim geben mußte, da sich seine Kinder nicht um sie kümmern wollten. Als man ihm darauf anbot, das Tier ins Heim zu holen, war er wie ausgewechselt. Er hatte seine Lebensfreude wieder gewonnen, die ich im Gespräch mit ihm auch deutlich erkennen konnte. Durch dieses Erlebnis konnte ich erfahren welche positive Wirkung mitgebrachte Tiere auf den im Altersheim wohnenden Besitzer haben können (siehe Kapitel 2.4.2.3).

Durch meine Mithilfe bei einem Tierbesuchsprogramm ím GZW konnte ich weitere Erfahrungen sammeln (Foto 1). Als Therapieunterstützung diente ein ausgebildeter Hund einer freiwilligen Helferin. An diesem Programm nehmen in der Regel nur ausgewählte Gruppen von Heimbewohnern (freiwillig, nicht bettlägrig, tierlieb, ...) teil.

Foto 1: Heimbewohner des Geriatriezentrum Wienerwald bei der Gruppentherapie

Ziel bei diesen Therapien ist es, die Feinmotorik und den Bewegungsapparat zu trainieren. Die Feinmotorik kann durch das Bürsten und Steicheln des Tieres sowie durch das Anlegen oder Verstellen des Geschirrs geübt werden. Der Bewegungsapparat wird durch Gehen zum Hund und wieder zurück zum Sitzplatz gestärkt, wobei die Motivation den Hund zu berühren dazu beiträgt, Schmerzen und teilweise auch kleine Behinderungen zu überwinden. Neben diesen physiotherapeutischen Erfolgen bietet das Therapieprogramm den Heimbewohnern Abwechslung und Gelegenheit für soziale Kontakte. Für mich war der Besuch des Tierprogrammes eine Bestätigung für die vor allem in den Kapiteln 2.3.2.1, 4.2, 4.3 und 4.4 dargestellte Theorie über Ablauf und Nutzen dieser speziellen Form der tiergestützten Therapie.

Besonders berührt hat mich das Erlebnis mit einer spastisch gelähmten Patientin, die ich im Pflegeheim Liesing kennengelernt habe. Im Rahmen eines Tierbesuchprogrammes besuchte ich mit meiner Katze Ilvy einige Patienten in diesem Heim (Foto 2). Mit der Leiterin dieses Programms ging ich in einige Zimmer der Bettenstation. In einem davon lag die erwähnte spastisch gelähmte Patientin, die durch ihre Erkrankung nur mit Hilfe des Ausdrucks in ihren Augen kommunizieren konnte. Ich legte meine Katze zu ihr ins Bett und sobald die Patientin das Fell und die Wärme des Tieres spürte, konnte ich Freude in ihren Augen erkennen. Nach einigen Minuten war sogar ein wenig Entkrampfung ihrer Glieder zu sehen. Auch dieses berührende Erlebnis ist für mich eine Bestätigung der oben in den Kapiteln 2.3.2.1 und 4.4 zitierten Literatur.

Foto 2: Bewohner des Pflegeheims Liesing mit Betreuerin und Katze Ilvy

Zuletzt nahm ich an einem weiteren Tierbesuchsprogramm in Pflegeheim Liesing teil, wobei meine Katze Ilvy wieder als Co-Therapeut fungierte. Diesmal besuchten wir eine Gruppe von Heimbewohnern, wo feinmotorische Übungen wieder im Vordergrund standen. Den Patienten - die um den Tisch saßen - wurde eine Futterdose gereicht. Bevor sie meine Katze füttern konnten, mußten sie erst die Dose aufdrehen und danach die Trockenfutterstückchen zählen. Neben dieser durchaus anspruchsvollen motorischen Übungen, machten sich auch wieder soziale Erfolge bemerkbar. Die besonders tierliebende Frau M. war von meiner mitgebrachten Katze so begeistert (Foto 3), daß sie sofort anfing, mir ihre Erfahrungen und Erlebnissen mit Tieren zu erzählen. Ihre deutlich ausgedrückte Tierliebe, wirkte sogar fast besitzergreifend, als eine Pflegerin sich „ihrer“ Katze näherte. Eine andere Frau war durch den Tierbesuch zu Tränen gerührt, wobei das schon fast ein negativer Aspekt des Programmes sein kann.

Zusammenfassend kann ich daher feststellen, daß ich viele der in dieser Arbeit beschriebenen positiven Effekte der tiergestützten Therapie in der Altenpflege duch einzelne Beobachtungen nun selbst bestätigen kann. Aber auch der große Nachholbedarf in Österreichs Altenpflege wurde mir deutlich vor Augen geführt. In den von mir besuchten Institutionen ist die tiergestützte Therapie nur durch die Initiative einzelner Verantwortlicher etabliert. Viele andere Senioren-, Alten- und Pflegeheime konnten auf meine Fragen leider nur negative Antworten geben. Auf Basis meiner Beobachtungen und der oben zusammengefaßten Darstellung in der wissenschaftlichen Literatur kann ich - trotz des sicher erforderlichen Aufwandes - den Einsatz von Tieren in der Geriatrie nur empfehlen. Gerade alte und oft einsame Menschen profitieren enorm von Kontakten mit „den kleinen vierbeinigen Freunden“.

Foto 3: Frau M - Bewohnerin des Pflegeheim Liesing freut sich über Besuch von Ilvy

Eine weiterer Schwachpunkt der Situation in Österreich ist die fehlende Ausbildung. Therapeuten, die auf Tierunterstützung setzten wollen, sind auf eigenständiges Studium der Literatur oder Vereine angewiesen. So hilfreich diese Insitutionen auch sind, eine öffentlich anerkannte Ausbildung ist sowohl aus Sicht der Patienten und Therapeuten (zur Optimierung der Wirkung des Tiereinsatzes) als auch im Sinne der Tiere (zur Sicherung der artgerechten Haltung) unbedingt erforderlich. Je professioneller die Mensch-Tier-Beziehung in der Altenpflege gestaltet und genutzt werden kann, desto geringer werden die Probleme damit und desto größer wird auch ihr Effekt sein.
Literaturverzeichnis


BAUER, J.; ROCH, A.; STRAUBENMÜLLER, K.; WEINER, M.; SORKO, J.: Mein Partner mit der kalten Schnauze oder Tiere und alte Menschen (Geriatrieprojekt). Wien 1996/1999

BROCKHAUS: Die Enzyklopädie DUD - EV, S 527, Leipzig-Mannheim 1996

FORSCHUNGSKREIS HEIMTIERE IN DER GESELLSCHAFT (Hrsg.): Von Menschen und Heimtieren. Hamburg o.J.

FRANCZ, V.: Mensch und Tier - Geschichte und Perspektiven einer Lebensgemeinschaft (Diplomarbeit). St. Florian 1998

FUCHSWANS, E.: Tiere als Therapie. Informationsmappe über tiergestützte Therapie und den Verein. o.O, o.J.

GÄNG, M. (Hrsg.): Mit Tiere leben im Alten- und Pflegeheim. München-Basel 1992

GRAHAM, B.: Creature Comfort. Animals that heal. London 1999

GREIFFENHAGEN, S.: Tiere als Therapie. Neue Wege in Erziehung und Heilung. München 1991

HOBMAIR, H. (Hrsg.): Pädagogig. 2. Auflage, Köln 1996

HOBMAIR, H. (Hrsg.): Psychologie. 1. Auflage, Köln 1995

IEMT (Hrsg.): Die Mensch-Tier-Beziehung. Dokumentation des Internationalen Symposiums aus Anlaß des 80. Geburtstages von Nobelpreisträger Prof. DDr. Konrad Lorenz. Wien 1983

IEMT (Hrsg.): Tiere im Altersheim. Handbuch für die Tierhaltung und Besuchsprogramme in Altersheimen. o.O, o.J.

IEMT (Hrsg.): Tiere im Altersheim. Möglichkeiten und Grenzen ihrer Haltung. Zürich 1991

IEMT (Hrsg.): Was Tiere für uns tun können. Wien 1998

IHM, U.: Tiere als Therapie (Seminararbeit). o.O., o.J.

KARNER, H.: „Tiere als Co-Therapeuten“ oder Wie wichtig sind Tiere im Alter (Diplomarbeit). Krems 1997

KERSSENBROCK, F.: Vier Pfoten fürs Leben, in: Gesunde Stadt. Magazin des WHO-Projekts, S 12 - S 14. Wien September 1998

KOTZINA, M.: Tiere als Cotherapeuten im Dienste der Menschheit - eine Bestandsaufnahme (Diplomarbeit). Wien 1993

LOHSE A.: Tierische Helfer. Hunde für Handicaps, in: Das Tier. Fachzeitschrift für die Faszination der Tierwelt, S 38 - S 43. Leinfelden-Echterdingen August 1999.

MOTTINGER-MASIN, M.: Therapie (Reportage), in: Mein bester Freund, S 16. o.O. April 1998

PARTNER-HUNDE ASSTISTANCE-DOGS EUROPE (Hrsg.): Informationsbroschüre. Salzburg o.J.

SCHAFROTH, A.: Ein Herz für Menschen. Tiere als Therapeuten, in: NNZ FOLIO. Die Zeitschrift der neuen Züricher Zeitung, S 25 - S 32. Zürich November 1997

TIERE ALS THERAPIE (Hrsg.): Ihr Tier kann heilen helfen. Broschüre. o.O, o.J.

WALD, B.: Die Beziehung zu Tieren im therapeutischen Kontext (Diplomarbeit). Wien 1997

WOHLFAHRT, E.: Heimtiere als Co-Therapeuten. Eine Unterstützung der therapeutischen Arbeit? (Seminararbeit).Wien 1993

WOHLFAHRT, E.: Tiere als Therapie: Die Auswirkung auf die Tagesgestaltung, die Kommunikation und den Demenzzustand von weiblichen, dementen Pflegeheimbewohnern (Diplomarbeit), Wien 1995

www.ponyhof.ch/therapie.htm

Zum Nachdenken ...